Mittwoch, 20. April 2011

Flickschusterei

Die G20-Staaten sind nur ein "Club" ohne weltweite Legitimation. Ihre Empfehlungen sind daher nicht verbindlich. Ihr Wert ergibt sich rein aus der Öffentlichkeitswirkung. Der IWF und die Weltbank hingegen repräsentieren zwar 187 Staaten, haben aber keine Durchsetzungsbefugnis.

So bleiben gegenwärtig alle Lösungsvorschläge nur Flickschusterei, die weder die Krisendynamiken globaler Ungleichgewichte in den Griff bekommen, noch die Basis für eine gerechte Weltwirtschaft sind. Sinnvoll wäre stattdessen die rasche Einführung eines neuen Weltwährungssystems, das folgende Bedingungen erfüllen sollte (M. King, Gouverneur der Bank von England):

  1. Eine Vereinbarung zur Anpassung der Nettoexporte an die Binnennachfrage.
  2. Einen vereinbarten Rahmen, in dem reale Wechselkurse zur Verringerung der Ungleichgewichte beitragen.
  3. Regeln für die Umstände, unter denen Staaten kurzfristige Kapitalströme begrenzen können.
  4. Makroökonomische Methoden, die den Aufbau von Ungleichgewichten begrenzen  und die die zur Verfügung stehenden Instrumente zur Verbesserung der finanziellen Stabilität ergänzen.
  5. Eine Strukturpolitik, einschließlich steuerlicher Maßnahmen, die die nationalen Ersparnisse in Defizitländern hebt und solche in Überschussländern senkt.
Keynes brachte bereits in 1940er Jahren einen durchaus vergleichbaren Vorschlag ein, der damals allerdings auf Druck der USA verworfen wurde. Es wird höchste Zeit, an diese Diskussion anzuknüpfen.
  
Mein Kommentar in "ZEIT online" zum Artikel "IWF und Weltbank - Deutschland gilt als Weltwirtschaftsrisiko" vom 18.04.11

Montag, 18. April 2011

Der IWF ist ein Auslaufmodell...

...sagt der oberste britische Banker, Mervyn A. King, Gouverneur der Bank von England:
„Ultimately, only the Bretton Woods institutions themselves – the IMF and the World Bank – have the legitimacy to represent all of their 187 member countries. But their governance is outdated. At the height of the crisis, the G20 and the G7 provided strong leadership. But legitimacy and leadership should go together. One without the other does not offer a sustainable vehicle for international cooperation. So allowing the G20 to metamorphose into the governing body of the IMF makes a good deal of sense. Such an evolution would, with a little commitment and imagination, create a single effective framework for international economic cooperation.”

Mein Kommentar in "ZEIT online" zum Artikel "Finanzkrise - Der IWF – nur begrenzt lernfähig" vom 13.04.11.

pinkepinke: Bewerbung als Finanzberater

pinkepinke: Bewerbung:
"Sehr geehrte Frau Merkel, sehr geehrter Herr Schäuble,
hiermit bewerbe ich mich als Finanzberater der Bundesregierung..."

Samstag, 16. April 2011

Der Euro braucht keine Rettungsaktionen

Weder die Insolvenz irischer Banken noch eine Umschuldung griechischer Staatstitel brächte den Euro in ernste Gefahr. Politiker missbrauchten dieses Argument, um immer größere Hilfspakete zu schnüren. Wichtig sei die Stabilitätspolitik. Der Meinung ist Claudia Aebersold Szalay, Wirtschaftskorrespondentin der NZZ in Frankfurt.

Denn was den Euro wirklich in Gefahr bringen würde, wäre ein Bruch der EZB mit ihrer Stabilitätstradition. Wenn die Notenbank beim «bail-out» kriselnder Euro-Staaten von der Politik immer stärker involviert wird, könnte sich am Markt irgendwann die Erwartung einstellen, dass die EZB wegen dieser Rettungsaktionen ihren auf Preisstabilität ausgerichteten Kurs nicht mehr aufrechterhalten kann. Setzen sich solche Erwartungen erst einmal fest, sind sie hartnäckig und eine wahre Gefahr für den Euro.


Es gehe darum, den Euro zu retten – mit diesem Argument werben Europas Politiker, allen vorn die Bundesregierung, bei ihren Wählern für die EU-Rettungspakete für Griechenland, Irland und neuerdings auch Portugal sowie für den Europäischen Stabilitätsmechanismus. So politisch wirkungsvoll die Argumentation auch ist, so wenig ökonomischen Gehalt hat sie. Der Euro war nie in Gefahr. Von den Rettungsmaßnahmen der EU kann man halten, was man will, doch zur Rettung des Euro waren sie nicht nötig. Wer meint, die Überschuldung Griechenlands zum Beispiel oder der Quasi-Bankrott der irischen Banken könnten dem Euro nachhaltig schaden, verkennt grundlegende ökonomische Zusammenhänge. Wechselkurse sind in der langen Frist ein rein monetäres Phänomen. Sie spiegeln die Geldpolitik eines Landes oder Währungsraums gegenüber der eines anderen Landes wider. Auf lange Sicht ist es aber allein die Inflationsneigung einer Zentralbank, die die Stärke oder Schwäche einer Währung bestimmt.

Vielmehr stellen die Rettungspakete selbst eine weitere Gefahrenquelle für den Euro dar. Wenn immer größere „Rettungsschirme“ nötig werden und die wettbewerbsfähigen Länder der Euro-Zone deswegen immer größere Beträge entrichten müssen, könnte das die Verschuldungssituation auch von Kernländern wie Deutschland und Frankreich so stark verschlechtern, dass an der Wirtschaftskraft der Euro-Zone als Ganzes Zweifel aufkämen.

Die größte Gefahr für den Euro geht daher nicht vom griechischen oder dem portugiesischen Staat oder von den irischen Banken aus, sondern von jenen Politikern, die den Euro angeblich um jeden Preis retten wollen. Umso wichtiger wird es sein, dass die EZB mit ihrer Zinspolitik unabhängige, klar auf Preisstabilität orientierte Signale setzt.

Dienstag, 12. April 2011

Bewerbung

Mein Kommentar in "ZEIT online" zum Artikel "Rettungsfond Soffin: Rechnungshof wirft Bankenrettern Geldverschwendung vor" vom 06.04.2011:

Bewerbung

Sehr geehrte Frau Merkel, sehr geehrter Herr Schäuble,

hiermit bewerbe ich mich als Finanzberater der Bundesregierung. Meine Dienstleistung biete ich gerne kostenlos an, weil das Problem, das Sie mit der Bankenrettung vorgeben zu haben, ja in Wirklichkeit keines ist. Banken müssen nämlich gar nicht gerettet werden, wenn man dort nur dafür sorgt, dass die Kosten auch von denjenigen getragen werden, die die Gewinne machen. Dafür gebe ich Ihnen hier gleich den Lösungshinweis: Das dem Staat vorbehaltene Recht zur Emission von gesetzlichen Zahlungsmitteln wird ausgeweitet. Es gilt bisher nur für Bargeld und muss zukünftig auch für Sichtguthaben auf Girokonten gelten. Zweitens müssen die Banken (durch entsprechende leichte Änderung des Art. 16 der EZB) daran gehindert werden, von sich aus neues unbares Geld in Form von Sichtguthaben zu schöpfen.
  • Vorteile für den Steuerzahler: Er muss nicht mehr für Verluste aufkommen, die er gar nicht verschuldet hat.
  • Vorteile für Sie und Ihre Organisation: Kostenloser Imagegewinn beim Wähler in lange nicht mehr da gewesener Höhe.
  • Vorteile für die Zentralbank: Sie kann das Ausmaß der Geldschöpfung so bestimmen, dass krisenhafte Entwicklungen und Kollateralschäden des Wachstums vermieden werden.
  • Vorteile für die Geschäftsbanken: Das „Zocken“ wird nicht länger innerhalb derselben Bilanz durchgeführt, die für die Durchführung des allgemeinen Zahlungssystems und anderer wichtiger Teile der Finanz-Infrastruktur benötigt wird.

Mit freundlichen Grüßen

Montag, 11. April 2011

Die Mär vom unbegrenzten Wirtschaftswachstum

Mein Kommentar in "ZDFblog" zum Artikel 
"Japan: Jetzt reicht's
vom 06.04.2011:

Wenn wir endlich alle begriffen haben werden, dass wir überhaupt keine AKW brauchen, weil dahinter nur die Mär vom unbegrenzten Wirtschaftswachstum steht, dann werden wir langsam beim Grundsätzlichen angekommen sein. Denn dann werden wir auch alle sehen, dass eine Zähmung des Wachstums beim Geld und bei der Geldschöpfung ansetzen muss, weil es nicht sein kann, dass Geschäftsbanken in unserem System die Erlaubnis zur unkontrollierbaren, sich ins Unendliche fortsetzenden Schaffung von Geld aus dem Nichts besitzen. Geld, das sie nicht besichern, dafür aber Zinsen verlangen. Um diese Zinsen zu bezahlen, muss aber wieder neues Geld geschaffen, also noch mehr unnützer Müll in immer geringerer Qualität produziert werden.

Hurra, wir haben es geschafft: Unendliches Wachstum auf Basis unendlicher Geldschöpfung – auch mit unendlichem Energieverbrauch? Nein, denn wir geraten mehr und mehr in Konflikt mit der Endlichkeit der natürlichen Ressourcen in der Welt. Und wenn wir übertreiben, dann bekommen wir eben Fukushima.

Ich glaube, dass die Zeit sehr bald kommen wird, wenn die Menschen verlangen, dass dies geändert wird. Und zwar grundsätzlich. Und dann werden sich alle Verantwortlichen die Frage gefallen lassen müssen, warum sie nicht den Mut zu Veränderungen aufbrachten und zaudernd herum saßen, während sie solch einem idiotischen System erlaubten, weiter zu existieren. Und für diesen Prozess dürfte die Landtagswahl in BaWü nur ein ganz kleiner Vorgeschmack gewesen sein.

AG auf den Prüfstand

Mein Kommentar in "ZEIT online" zum Artikel "Puma: Die freie Marktwirtschaft erfordert Grenzen" vom 05.04.2011:
Der Ansatz von Herrn Zeitz geht ja schon mal in eine richtige Richtung, auch wenn man noch nicht so ganz erkennen kann, was letztendlich tatsächlich damit beabsichtigt ist. Wenn es Herrn Zeitz allerdings wirklich Ernst ist mit dem Umweltbewusstsein seines Unternehmens, dann sollte er unter diesem Aspekt doch lieber mal die Rechtsform der AG in Frage stellen. Die AG führt nämlich generell unter dem Wachstumsdrang zu einer immer stärkeren Tendenz zu spekulativen Auswüchsen, d.h. zur Bildung von Finanzblasen, die, wenn sie platzen, zu Wirtschaftskrisen ausarten können (siehe 2008). Der Drang nach „unendlichem“ Wachstum steht aber mehr und mehr im Konflikt mit der Endlichkeit der natürlichen Ressourcen in der Welt. Solange der Aktionär aber eher an der Steigerung der Aktienkurse, als an der Dividende interessiert ist und die Steigerung der Aktienkurse von der steten Reinvestition eines großen Teils der Gewinne mit Aussicht auf eine unendliche Folge von Gewinnen aufgrund des erwarteten Wachstums abhängt, wird sich kaum etwas ändern.

Das weiß sicherlich auch Herr Zeitz. Falls nicht, empfehle ich ihm (und jedem Interessierten) das Buch „Vorwärts zur Mäßigung“ von H. C. Binswanger (pikanterweise der Doktorvater von Josef Ackermann), um seinem Unternehmen grundlegend eine umweltkonforme Ausrichtung zu verleihen. Aber dazu wird er ja im Aufsichtsrat demnächst die beste Gelegenheit haben.

Donnerstag, 7. April 2011

Abrechnung

Mein Kommentar in "WELT online" zum Artikel "Abrechnung: Alle Politiker ins Moratorium! Und zwar sofort" vom 05.04.2011:

Bravo. Wirklich ein sehr guter Artikel. Also geht es doch – selbst in der WO. Musste wohl erst eine Frau ran. Eine kleine Ergänzung sei mir vielleicht gestattet, was die Zukunft betrifft: Wenn wir endlich alle begriffen haben werden, dass wir überhaupt keine AKW brauchen, weil dahinter nur die Mär vom unbegrenzten Wirtschaftswachstum steht, dann werden wir langsam beim Grundsätzlichen angekommen sein. Denn dann werden wir auch alle sehen, dass eine Zähmung des Wachstums beim Geld und bei der Geldschöpfung ansetzen muss. Und dass es nicht sein kann, dass Geschäftsbanken in unserem System die Erlaubnis zur unkontrollierbaren Schaffung von Geld aus dem Nichts besitzen. Und dann werden sich alle Politiker die Frage gefallen lassen müssen, warum sie nicht den Mut zu Veränderungen aufbrachten und zaudernd herum saßen, während sie solch einem idiotischen System erlaubten, weiter zu existieren.

Mittwoch, 6. April 2011

Basel III reicht nicht



Mein Kommentar in "FAZ.NET" zum Artikel "Boykottaufrufe und Drohbriefe: Landesbanken laufen gegen Stresstests Sturm" vom 05.04.2011:
 


Manche sehen in Basel III die Antwort darauf, dass die Regulierung dabei versagt hat, die Finanzkrise zu verhindern. BIII alleine wird aber die nächste Krise nicht verhindern.
Erstens zu geringe Kapitalquoten: Wenn das benötigte Kapital in Bezug auf die Verluste der aktuellen Krise berechnet wird, dann wird ungenügend berücksichtigt, dass die Banken massiv von der Regierung (dem Steuerzahler) unterstützt wurden und eine implizite Garantieerklärung ausgestellt bekamen.
Zweitens Kapitalbedarf auf Basis der Risikobewertung von Vermögensanlagen: Solche Bewertungen stammen aus alten Erfahrungen. Aber wenn die Situation eintritt, dass Kapital benötigt wird, um mögliche Verluste auszugleichen, ist das genau falsch.
Drittens Konzentration auf die Aktivseite der Bankbilanzen: Ob die BIII-Maßnahmen die Risiken angemessen berücksichtigen, die aus ungenügenden Kapital-Quoten und einer riskanten Verbindlichkeiten-Struktur resultieren, wird sich erst zeigen.
Wenn es ein wirkliches Bedürfnis nach sicheren Einlagen gibt und sowohl Gewinne als auch Kosten bei einer Stelle anfallen sollen, dann ist der einzige Weg dorthin, das Zahlungssystem von der risikobehafteten Kreditvergabe zu trennen – also das fraktionale Reservesystem abzuschaffen.

Montag, 4. April 2011

Radikalere Reformen sind nötig

Mein Kommentar in "ZEIT online" zum Artikel "Finanzkrise: Warum Großbanken ein Sicherheitsrisiko sind" vom 01.04.2011:

Das „too important to fail“ – Problem kann nur gelöst werden, wenn jedes Unternehmen des Finanzsektors scheitern kann, ohne dass ein Risiko besteht, dass die Gesamtwirtschaft bedroht wird. Die Ausweitung von Insolvenzverfahren auf große Institute ist deshalb zwar eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für die Stabilität des Bankensystems. Auch Steuern, Baseler Eigenkapitalvorschriften und spezielle Regelungen für systemisch wichtige Institute haben alle Nachteile und erfüllen die gestellte Aufgabe nur unzureichend. Radikale Reformen sind deshalb nötig, z.B. das Zahlungssystem von der risikobehafteten Kreditvergabe zu trennen – also das fraktionale Reservesystem abzuschaffen (siehe Fisher 1936, Friedman 1960, Tobin 1987, Huber 2004 und Kay 2009). Das Grundprinzip: Wenn Banken risikobehaftete Aktivitäten ausführen, ist es hochgefährlich, wenn ein solches „Zocken“ innerhalb derselben Bilanz durchgeführt wird, die für die Durchführung des allgemeinen Zahlungssystems und anderer wichtiger Teile der Finanz-Infrastruktur benötigt wird. Die Abschaffung des fraktionalen Reservesystems würde die Auffassung bestätigen, dass es nichts anderes als Alchemie darstellt, wenn angeblich risikolose Einlagen von risikobehafteten Anlagen gedeckt werden sollen. Wenn sowohl Gewinne als auch die Kosten bei einer einzigen Stelle anfallen sollen, dann ist der einzige Weg dorthin, dass solche Einlagen nicht gemeinsam mit riskanten Anlagen existieren dürfen.
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