Dienstag, 28. Juni 2011

Alles gar nicht so schlimm, oder?

Straßenszene aus Kolumbien 2010
Der Zynismus und die Kritiklosigkeit dieses Artikels sind kaum noch zu überbieten. Die Gleichung ist einfach: Wer Geld hat, isst und lebt. Wer keines hat, leidet und wird invalide oder stirbt. Die ganze Dimension menschlichen Leidens wird hier vor dem Hintergrund, dass auf der Erde täglich ungefähr 100.000 (davon über 24.000 unmittelbar) Menschen an Hunger oder dessen Folgen sterben (etwa alle sieben Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren)*, einfach ausgeblendet: die erstickende, unerträgliche Überlebensangst, die jeden Hungernden peinigt, sobald er morgens erwacht. Sie ist vielleicht noch furchtbarer, als die mannigfachen Krankheiten und körperlichen Schmerzen zu erdulden, die den unterernährten Körper befallen.

„Ihr Patentrezept zur Rettung der Armen der Welt? Sie haben keins.“
Das ist wirklich ärmlich und zugleich hochgradig zynisch, wenn die Herren Professoren aus der Hochburg des globalisierten Kapitals zu diesem Schluss gelangen. Ebenso ärmlich ist es, wenn die ZEIT das kritiklos stehen lässt, wohl wissend, dass es doch eben die Herren des globalisierten Kapitals sind, die täglich über Leben und Tod von über zwei Milliarden Hungernden auf der Welt entscheiden: Durch ihre Investitionsstrategien, ihre Währungsspekulationen und die politischen Bündnisse, die sie eingehen. 
Die Lösung liegt also eindeutig und ausschließlich in einer umfänglichen, radikalen Reform des bestehenden Geld- und Finanzsystem
Mein Kommentar in "ZEIT online" zum Artikel "Armut: "Fernsehen ist besser als essen"" vom 27.06.2011  



Jan Ziegler im Interview bei Gerd Scobel: Genug Essen für 12 Milliarden Menschen

Montag, 27. Juni 2011

Gewissenskonflikt

Die italienische Zentralbank, deren Gouverneur Herr Draghi bisher ja noch ist, gehört zu über 94 % Privatbanken. Vor dem Hintergrund internationaler Verflechtungen der großen Finanzinstitute wird es interessant sein zu beobachten, ob Herr Draghi in seiner neuen Funktion tatsächlich Griechenland oder eher die involvierten Banken retten wird.

Mein Kommentar in "WELT online" zum Artikel "Frisch gekürter "Mr. Euro" tritt schweres Erbe an " vom 24.06.2011 

Freitag, 24. Juni 2011

Lange Rede, kurzer Sinn

Wenn wir das Übel endlich an der Wurzel packen wollen, brauchen wir doch wirklich nur eines, nämlich ein neues Finanzsystem, das folgende Bedingungen erfüllt:
1.      Ein demokratisches und gemeinwohlorientiertes Bankensystem.
2.      Die Schaffung von alternativen Risikofinanzierungsformen für Unternehmen.
3.      Die demokratische Festlegung der Rohstoffpreise.
4.      Die Schaffung eines Weltwährungssystems mit stabilen, an reale Indikatoren gekoppelten Wechselkursen.
5.      Eine gerechtere (und erwerbsarbeitsfreundlichere) Verteilung der Steuerlast.
Meinten Sie das, Herr Steinbrück, wofür Sie sich von nun an mit ganzer Kraft und Hingabe einsetzen wollen?

Mein Kommentar in "ZEIT online" zur Kolumne von Peer Steinbrück 

Donnerstag, 23. Juni 2011

Der Nächste bitte...

2. Strophe aus dem Zyklus „Die Rettung“

Wir retten weiter unverdrossen.
Am liebsten retten wir die Großen:
Erst Banken, nun schon ganze Länder.
Wer rief da eben „Geldverschwender“?
Ob Griechen, Portugiesen, Iren –
der Euro darf sie nicht verlieren.
Wir retten ohne sie zu fragen
und überhören ihre Klagen.
Und läuft beim Retten mal was dumm,
dann schulden wir halt einfach um.
Wir schulden um, mal hart mal locker.
Die Banken haut das nicht vom Hocker.
Die sind längst raus aus dem Geschäft,
wenn der EU-Bürger noch schläft.
Wir retten heut’ und jederzeit,
zum Denken bleibt uns wenig Zeit.

Auch die nächste Rettung ist alternativlos.

Mein Kommentar in 
"ZEIT online" zum Artikel "Euro-Krise: Griechenland gehört zu uns
und
vom 22.06.2011 

Mittwoch, 22. Juni 2011

Ansichtssache

Die Schlussfolgerung des Kommentators dürfte weitgehend unstrittig sein: "Die Quittung werden die Steuerzahler bekommen - ob sie nun Geld zur Rettung Griechenlands zahlen oder - falls sie scheitert - für einen Bankenrettungsfonds." In der Argumentationskette könnte man gewisse Punkte aber auch anders sehen.

Mein Kommentar in "FTD.de" zum Artikel "Europäische Krise: Chaotische Laiendarsteller spielen griechische Tragödie" vom 22.06.2011
  
Warum leben denn die westlichen Länder inzwischen nahezu ausnahmslos über ihre Verhältnisse? Nur weil es die gewählten Regierungen so wollen? Warum erzielt z.B. Deutschland seit Jahrzehnten Überschüsse in der Handelsbilanz und macht trotzdem Schulden?

Ist es nicht so, dass nach der Abschaffung der Goldanbindung der westlichen Währungen in den 1960-er Jahren die Geldmengensteuerung außer Kontrolle geraten ist? Ohne Bezug zu realen Werten wie Arbeitsleistung oder Produktivität kursieren im weltweiten Finanzsystem inzwischen riesige virtuelle Geldmengen. Wenn dadurch ausgelöste inflationäre Phasen Löhne und Preise schneller steigen lassen, als die Steuereinnahmen, dann muss doch ein Staat Kredite aufnehmen, um seine Defizite auszugleichen. Erhöht dann seine Zentralbank in Ermangelung einer tauglichen Geldmengensteuerung die Zinsen, um die Inflation zu bekämpfen, werden die Defizite auch noch größer. Und von wem bitte leiht sich der Staat das Geld und an wen zahlt er die Zinsen? Und woher haben denn diese Geldgeber das viele Geld zum Verleihen? Aus dem Nichts! Reine Buchungsalchemie: Erhöhung der Sichtguthaben um Betrag Kundenkredit auf der Passivseite gegen Erhöhung der Forderungen an Kunden um den selben Betrag auf der Aktivseite. Ergebnis: Bilanz ausgeglichen. Alles rechtens. Keine Bösewichte am Finanzmarkt. 

Die EU und ihre wichtigsten Akteure sind meines Erachtens nicht erst seit der Griechenland-Krise dabei, ihre Glaubwürdigkeit zu verspielen. Mit der Binnenintegration (gemeinsamer Markt, gemeinsames Geld) wird doch die De-Funktionalisierung der Mitgliedsstaaten auf die Spitze getrieben. Die EU senkt mit jedem ihrer Erweiterungsschritte (auch schon mit Griechenland) – es kommen immer ärmere Länder hinzu – permanent ihr Wohlstandsniveau statt es zu erhöhen. Damit weitet sie ihr inneres Konfliktpotential aus statt es abzubauen. Sie glaubt, ökonomische Dynamik zu säen, erntet aber soziales Dynamit.

Dennoch ist die politische Elite ständig dabei, uns weiszumachen, damit dem Frieden und dem Fortschritt in den Ländern der Gemeinschaft zu dienen. Ich fürchte, am Ende dieses denkwürdigen Experiments wird es keine EU mehr geben, wohl aber unser unsoziales globales Geld- und Finanzsystem.

Dienstag, 21. Juni 2011

Wer im Glashaus sitzt...

Würde man ein globales Ranking der größten Pleiteländer der jüngeren Geschichte erstellen, so stünde wohl fest: „Deutschland ist Schuldenkaiser: Nach der Schadenshöhe im Vergleich zur Wirtschaftsleistung gerechnet ist Deutschland der größte Schuldensünder des 20. Jahrhunderts - wenn nicht überhaupt der jüngeren Finanzgeschichte.“ Diese Meinung vertritt der Wirtschaftshistoriker Albrecht Ritschl in einem SPIEGEL-Interview.

„Nach dem ersten Zahlungsausfall in den dreißiger Jahren wurde der Bundesrepublik 1953 von den USA ein Schuldenschnitt - im Englischen "Haircut" - verpasst, der das Schuldenproblem von einem voluminösen Afro-Look auf eine Vollglatze reduzierte. Seitdem stand Deutschland glänzend da, während sich die anderen Europäer mit den Lasten des Weltkriegs und den Folgen der der deutschen Besetzung abrackerten. Und selbst 1990 kam es noch zu einem Schuldenausfall ... [denn] der damalige Kanzler Helmut Kohl weigerte sich damals, das Londoner Abkommen von 1953 umzusetzen. Darin war festgeschrieben, dass die deutschen Reparationszahlungen aus dem Zweiten Weltkrieg im Falle einer Wiedervereinigung neu geregelt werden. Man hat nur die Bedienung kleiner Restbeträge abgewickelt. Dabei ging es aber um minimale Summen. Reparationen hat Deutschland nach 1990 nicht gezahlt - von den Zwangsarbeiterentschädigungen mal abgesehen - und auch die im Zweiten Weltkrieg aus den besetzten Ländern herausgepressten Kredite und Besatzungskosten nicht getilgt. Auch gegenüber Griechenland nicht.“

„Die Griechen kennen die feindlichen Artikel aus deutschen Medien sehr gut. Wenn die Stimmung im Land umschlägt, alte Forderungen nach Reparationszahlungen laut und auch von anderen europäischen Staaten erhoben werden und Deutschland diese je einlösen muss, werden wir alle bis aufs Hemd ausgezogen. Da könnten wir im Vergleich dankbar sein, Griechenland auf unsere Kosten luxuszusanieren. Wenn wir hier der Stimmungsmache folgen und den dicken Emil geben, der die Zigarre pafft und nicht zahlen will, dann werden irgendwann die alten Rechnungen wieder präsentiert.“

Mittwoch, 15. Juni 2011

Draghi warnt vor Kosten einer Umschuldung

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist gegen weitgehende Umschuldungsszenarien für Griechenland. Ihr designierter Präsident Mario Draghi warnte erneut vor den Kosten eines solchen Schritts. Sollten griechische Banken zusammenbrechen, werde dies Auswirkungen auf das gesamte Euro-Finanzsystem haben - vergleichbar mit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers: "Wir möchten diese Erfahrung nicht wiederholen." Quelle: stern.de - "Die Griechenland-Rettung wird vertagt" vom 14.06.11


Draghi ist italienischer Finanzexperte und seit Februar 2006 Chef der Banca d'Italia, der italienischen Zentralbank. Diese ist zu über 94 % im Besitz von italienischen Privatbanken.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Einige Experten sind seit geraumer Zeit übrigens ganz anderer Meinung, was die die Größenordnung des griechischen Schuldenproblems und dessen Auswirkungen auf den Euro betrifft: Eine (hypothetische) Pleite Griechenlands hätte danach kaum die globalen Auswirkungen einer Lehman-Insolvenz, weil die US-Investmentbank sehr viel vernetzter war als die griechischen Banken und der griechische Staat. Mit anderen Worten: Das «exposure» der weltweiten Akteure (Banken, Unternehmen, Privatkunden usw.) gegenüber Lehman war mit grosser Wahrscheinlichkeit gewichtiger und breiter gestreut als jenes gegenüber dem griechischen Staat und den griechischen Banken. Folglich war die von Lehman ausgehende Ansteckung quer über den Globus heftiger als die von potenziellen Ausfällen in peripheren Euro-Staaten.

Dienstag, 14. Juni 2011

"Rohstoffmärkte sind ein Witz"

Frankreichs Staatspräsident Sarkozy, derzeit Vorsitzender der G-20-Gruppe führender Wirtschaftsnationen, sieht in den zunehmenden Schwankungen an den Märkten eine akute Gefahr für das gerade wieder aufkeimende Wirtschaftswachstum.

"Diese Märkte sind ein Witz. Die Deregulierung der Finanzmärkte hat die Welt an den Abgrund geführt. Ein Markt ohne Regeln ist kein Markt mehr." Er werde die G-20-Staaten bitten, Berichte über die Lage auf ihren Agrarmärkten zu erstellen.

Dass europäische Handelsplätze nicht durch Regeln beeinträchtigt werden dürften, die an anderen Orten nicht bestehen, akzeptiere er nicht: "Wenn ein Land die Mafia nicht bekämpft, sollen wir alle deswegen die Mafia nicht mehr bekämpfen?" 

Wie auch auf anderen Märkten seien gerade im Agrarbereich Preisveränderungen meist unverständlich. "Wenn Preisveränderungen auf dem Wetter oder anderen nachvollziehbaren Entwicklungen beruhen, dann kann man das akzeptieren - aber nicht, wenn sie Folge der Spekulation an den Finanzmärkten sind." An den Finanzmärkten werde im Handel mit so genannten Derivaten ein Vielfaches des tatsächlichen Warenwertes umgesetzt. Niemand wisse, wer an den Märkten die Preise bestimme. Es sei "inakzeptabel", dass ein einziger Händler den gesamten verfügbaren Kakao aufkaufe, "ohne auch nur einen einzigen Cent dafür auszugeben" - und anschließend mit erheblichem Gewinn und immer noch ohne Investition eines einzigen Cent wieder verkaufe.

 Aus standard.at vom 14.06.2011: "Ein Witz"

Samstag, 11. Juni 2011

Schluss mit der Alchemie

An dieser Stelle mag vielleicht der Hinweis auf eine Rede des Gouverneurs der Bank von England hilfreich sein, in der Mervyn A. King sehr dezidiert und mit profundem Fachwissen die Gründe für die jüngste Banken- und Finanzkrise erläutert: http://goo.gl/OITXe

Und er liefert auch gleich die notwendigen Vorschläge mit, die zur Verhinderung einer weiteren, dann allerdings noch sehr viel heftigeren Krise des Bankensystems dienen könnten:
King sieht die Lösung am ehesten in der radikalen Abschaffung des bestehenden (fraktionalen Reserve-) Systems, da es für ihn nichts anderes als Alchemie darstellt, wenn angeblich risikolose Einlagen von risikobehafteten Anlagen gedeckt werden.

Banken sollten sich viel stärker durch Eigenkapital, als durch kurzfristige Verbindlichkeiten finanzieren. „Viel, viel mehr Eigenkapital und viel, viel weniger kurzfristige Verbindlichkeiten. Riskante Investments können nicht anders finanziert werden.“ ruft er Ihnen zu. Kings Ausführungen machen deutlich, dass wir dringend ein neues Finanzsystem brauchen, welches die Zockerei von der wirtschaftlich notwendigen Kreditvergabe trennt und die Geldschöpfung hinsichtlich Menge und Verwendung für die Allgemeinheit kontrollierbar macht, anstatt die Bankbilanzen in gesamtwirtschaftlich riskanter Weise aufzublähen. 

Mein Kommentar in "ZEIT online" zum Artikel "Finanzkrise: Einfach nicht lernfähig" vom 10.6.2011


Freitag, 10. Juni 2011

Und noch ein Zitat

...aus dem Plenum der Ökonomen: „Zur Stützung illiquider, aber nicht insolventer Staaten ist ein Rettungsschirm zudem nicht erforderlich...“ Das erhärtet doch den Verdacht, dass die größte Gefahr für den Euro nicht vom griechischen oder dem portugiesischen Staat oder von den irischen Banken ausgeht, sondern von jenen Politikern, die den Euro angeblich um jeden Preis retten wollen (siehe auch in der NZZ: http://goo.gl/pfwjF).

Hierin kommt einmal mehr die Hilflosigkeit unserer gewählten Staatsvertreter gegenüber unserem Geld- und Finanzsystem zum Ausdruck, das sich bereits seit langem durch Globalisierung vollkommen ihrer Kontrolle entzogen hat. Und anstatt sich massiv und strategisch mit dessen grundsätzlicher Änderung zum Wohle der Allgemeinheit zu befassen (siehe hierzu auch http://goo.gl/eh2Cl) , ergehen sie sich in aktionistischer Flickschusterei und verkaufen ihre kurzfristigen „Erfolge“ beim Herumdoktern am System zu Wahlkampf- und Beruhigungszwecken an gutgläubige Steuerzahler.


Mein Kommentar in "ZEIT online" zum Artikel "Euro-Krise: Schäuble fordert Umschuldung Griechenlands" vom 08.06.11

Donnerstag, 9. Juni 2011

pinkepinke: Bewerbung als Finanzberater

pinkepinke: Bewerbung als Finanzberater: "Nun habe ich noch nicht einmal eine Absage erhalten: Röller wird neuer Wirtschaftsberater für Merkel"

Sama-sama

Morgendämmerung an der Nordküste von Bali. Wir sind mit zwei Einheimischen verabredet. Sie wollen uns in ihren Einbaumbooten mit aufs Meer nehmen: Dolphin-Watching! Kurz nach sechs Uhr stechen wir in See, Kurs Nordost. Schon bald schiebt sich auf der rechten Seite der heilige Berg Balis, der mächtige Vulkan Gunung Agung, eindrucksvoll in unser Blickfeld. Schräg voraus tauchen in der Ferne die vagen Umrisse von Balis Nachbarinsel Lombok aus dem leichten Dunst auf. Eine traumhafte Kulisse für das Schauspiel, was sich uns nur wenige Augenblicke später darbietet: Die aufgehende tropische Sonne taucht die gesamte Szenerie in ein unwirkliches Farbenspiel von unvorstellbarer Schönheit. Wir staunen und genießen. 


Nach etwa zwei Stunden stehen wir wieder am Strand. Delphine haben wir keine gesehen. Und dennoch sind wir sicher, ein einmaliges Erlebnis hinter uns zu haben. Wir haben auch viel gesprochen mit den beiden Männern, die uns von ihrem einfachen Leben berichteten. Sie seien sehr glücklich und zufrieden hier, erzählen sie uns, und dass sie umgerechnet nur etwa 70 Euro im Monat zum Leben benötigten. Wir sind uns bewusst, dass viele ihrer Mitmenschen hier mit weit weniger auskommen müssen.

Wir bedanken uns herzlich bei ihnen und fragen nach dem Preis für den Ausflug. Sie wirken total überfordert. Nicht etwa, weil sie uns nicht verstanden hätten, sondern weil sie sich darüber im Vorwege überhaupt keine Gedanken gemacht hatten. Wichtig war für sie primär, uns einen Gefallen zu tun, uns zu Diensten zu sein. Später erfahren wir, dass diese Denkweise typisch ist für die Einheimischen, die noch nicht allzu sehr vom Tourismus westlicher Prägung und damit vom kapitalistischen Gedankengut verdorben sind.

Wir geben den Männern eine unserer Meinung nach ordentliche Bezahlung. Sie wirken zufrieden. Sicherheitshalber erkundigen wir uns später bei der Schwester des einen noch mal, ob der Betrag angemessen war. Alles in Ordnung. Terima kasih banyak – vielen Dank. Sama-sama – gern geschehen!

Mittwoch, 8. Juni 2011

Alternativer Stresstest stellt Europas Großbanken bloß

Der Schweizer Ratingboutique Independent Credit View zufolge wären vor allem die beiden italienischen Großbanken Unicredit und Intesa Sanpaolo im Falle einer tiefen Rezession gefährdet. Auch die Commerzbank schneidet danach trotz der jüngsten Kapitalerhöhung verheerend ab.
Bild: FTD
Bemerkenswert gut schneidet demgegenüber die Deutsche Bank in der Untersuchung ab. Das Ergebnis vieler anderer europäischer Banken ist dagegen katastrophal. Fünf der letzten sechs Plätze unter weltweit 63 untersuchten Banken belegen Institute aus den Schuldenstaaten Portugal, Griechenland und Irland.

Das Schweizer Analysehaus legt in seinen Studien seit je her schärfere Stressszenarien zugrunde und warnte z.B. bereits im September 2007 – also ein Jahr vor der Pleite – vor Lehman Brother als "mit Abstand schwächsten Broker". In derselben Untersuchung wies I-CV auch vor hohen Risiken bei isländischen Instituten und deutschen Landesbanken. Das aktuelle Stressszenario geht nun von einem deutlich schärferen Konjunktureinbruch aus, als die EU bei ihrem offiziellen Test. Dementsprechend verlangen die Schweizer mehr Eigenkapital von den privaten Geldinstituten, nämlich eine so genannte harte Kernkapitalquote von 10 statt 5 Prozent. Zudem wirken sich hohe Bestände an ausfallgefährdeten südeuropäischen Staatsanleihen – anders als im EU-Stresstest – negativ auf das Ergebnis aus. Und anders als z.B. S&P oder Moody's verzichten sie darauf, bei systemrelevanten Banken eine Sozialisierung der Verluste, also die Annahme einer impliziten Staatshaftung in ihre Bewertung einfließen zu lassen.

Aus FTD vom 08.06.2011: Bankenstudie
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