Montag, 27. Februar 2012

Nennt es doch gleich Bankenrettung


Wenn unser Bundesfinanzminister ein drittes Rettungspaket für Griechenland nicht ausschließt, dann in erster Linie wohl deshalb, weil das aktuelle wenig hilft. Denn mehr als die Hälfte des zweiten Rettungspakets geht an die Banken. Nur knapp 55 Mrd. Euro kommen überhaupt im griechischen Haushalt an. Und selbst davon ist ein großer Teil schon verplant. Helfen wird dieses Paket den Griechen also kaum. Die haben danach nur geringfügig niedrigere Schulden. Das einzige was sich wirklich ändert, ist die Zusammensetzung der Gläubiger.

Und damit ist auch klar, wo das dritte Rettungspaket ansetzen wird: Beim öffentlichen Sektor. Denn im privaten Sektor liegen bald kaum noch Griechenbonds. Damit zeichnet sich mehr und mehr ab, dass am Ende der Großteil der griechischen Schulden von der EU sozialisiert werden dürfte.

Dennoch stimmt der Bundestag heute über das Paket ab. Ob alle Abgeordneten bei dem absurden Umschuldungstheater verstanden haben, wo die Reise hin geht, darf bezweifelt werden. 726 Seiten – so viel müssten sie durchackern, um Bescheid zu wissen, wird kaum jemand gelesen haben. Selbst diejenigen, die es dennoch taten, werden wahrscheinlich nicht bemerkt haben, dass der wichtigste Teil in den Unterlagen sogar noch fehlt: die Schuldenanalyse der Troika nämlich, die den Finanzministern vorige Woche als Grundlage für ihre Entscheidung gedient hatte.

Bei der ganzen Rettungsaktion ist sogar noch unklar, ob letzten Endes die griechischen Pensionskassen und Sozialversicherungsvereine überhaupt gerettet werden. Sollten wirklich nur die Löcher in den Bilanzen der Banken gestopft werden und das Sozialsystem müsste die Verluste aus dem Haircut selber verkraften, wäre das ein dicker Skandal und zeigte einmal mehr exemplarisch die Präferenz der Politiker: Immer zuerst die Banken, dann das Volk.


Hierzu auch die Webschau auf dradio wissen: "Wir sind alle Griechen"

Donnerstag, 23. Februar 2012

Der Mythos vom Geld

Die Funktionsweise von Geld ist seit jeher von Interessen geleitet. Die Interessenslagen haben sich über die Zeit etliche Male geändert. Gleich geblieben ist das Prinzip: Ein paar wenigen Intellektuellen gelingt es in einer allgemeinen gesellschaftlichen Notlage, den jeweils Herrschenden ein System zu verkaufen, welches die Zufriedenheit der Massen steigert, damit die Führungsposition der Eliten festigt und ihnen selbst eindeutige materielle Vorteile zu Lasten der anderen verschafft. Selbst wenn die Umstände nach einiger Zeit ganz andere sind, unterbleibt das Hinterfragen der Grundsätze. Fehlentwicklungen werden auf nicht systemkonformes Verhalten Einzelner oder ganzer Gruppen geschoben, was derzeit in Europa bis hin zu Rückfällen in den Nationalismus des frühen 20. Jahrhunderts führt.
Wesentlich für die Glaubwürdigkeit und die Dauerhaftigkeit eines solchen Systems ist die gleichzeitige erfolgreiche Etablierung und Fortschreibung einer beschaulichen Geschichte, die die Massen beruhigt und sie davon ablenkt, die wahren Zusammenhänge zu hinterfragen. So tragen sie nach und nach ohne Murren die Last, weil ihnen ja suggeriert wird, dass anderenfalls ein vernichtender Rückfall in schlimme Zeiten unausweichlich ist. Die Wenigen hingegen, die das System verstehen, sind so sehr an seinen Profiten interessiert oder so abhängig von ihm, dass von ihnen keine Opposition zu erwarten ist. 

Mittwoch, 22. Februar 2012

Fragt mal die Banken


Also, wenn Griechenland jetzt 53,5 Prozent seiner Schulden abschreiben darf, warum sollten es dann nicht auch andere dürfen: Italien, Spanien, Irland, Portugal und der Rest der Nationen, die noch Schlange stehen? Warum sollte die Bevölkerung in diesen Ländern von ihren Regierungen nun nicht verlangen, denselben Weg zu gehen – bevor sie wie Griechenland am Boden liegen?

Dominante Körpersprache - wer hat hier die Hosen an?
 Frau Lagarde vom IWF oder der Grieche Papademos


 

Montag, 6. Februar 2012

Wenn alle Dämme brechen


"Die Krise ist vor allem eine Krise der ökonomischen Theorie." schreibt Heiner Flassbeck in der Januar-Ausgabe von Capital:
„Warum gelingt es auch im vierten Jahr nicht, die Krise der Weltwirtschaft, die mit der Krise der Finanzwirtschaft 2008 begann, zu überwinden? Die Antwort ist einfach: Die Krise ist vor allem eine Krise der ökonomischen Theorie und diese hat sich einer radikalen Veränderung bis jetzt verweigert. Die Politik ist nur das Opfer der ökonomischen Mythen und Dogmen...

Der herrschende Ökonom besinnt sich einfach der historischen Tatsache, dass es noch niemals eine Inflation ohne eine Finanzierung durch die Geldpolitik gegeben hat und folgert daraus haarscharf, dass dauerndes Geldschaffen durch die Zentralbank nur in Inflation enden kann...
Die eigentlich relevante und empirisch hervorragend bestätigte Inflationstheorie, die zur Aufklärung einen riesigen Beitrag leisten würde, „darf“ der Mainstream-Ökonom nicht benutzen, weil sie zentrale Mythen in Frage stellen würde. Diese Ignoranz wird auch die Europäische Währungsunion (EWU) zerstören - ein Kollateralschaden sozusagen bei der Verteidigung des Dogmas vom sich selbst stabilisierenden System...
In unglaublicher Konsequenz wurde zudem, wiederum gegen jede Evidenz, das Märchen von der Staatsschuldenkrise erfunden, weil es als einziges in das Weltbild der herrschenden Lehre passt. Hier ist alles einfach und klar: der Staat ist der Böse, die Schuldenmacher haben die alleinige Schuld und Heilung gibt es nur für den, der die herrschende Lehre vollständig akzeptiert...
So geht die Geschichte ihren Gang. Die Weltwirtschaft gerät in tiefes Wasser und Europa in einen Strudel. Man könnte das rettende Ufer erreichen. Doch der Preis ist für die meisten zu hoch: Man müsste ja abschwören den Dogmen und Mythen, die man in mühevoller Arbeit in den letzten 30 Jahren aufgebaut hat...“

Lesen Sie hier den gesamten Artikel „Herrschende Irrlehre“...

... und ergänzend dazu bitte meinen Post vom vergangenen Dezember "Toxische Suppen und die Lernhemmung"



Donnerstag, 2. Februar 2012

Der Mythos vom intakten Bankwesen

Die Entwicklung des monetären Aggregats M3 wird von vielen zeitgenössischen Ökonomen gerne als Maßstab für Prognosen die Inflation betreffend herangezogen. So hebt auch die EZB im Rahmen ihres „Zwei-Säulen-Konzepts“ die Bedeutung dieses Zusammenhangs hervor: 
„Die monetäre Analyse ... stützt sich ... auf den langfristigen Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisen.“ Und weiter heißt es: „Der Zwei-Säulen-Ansatz ... repräsentiert und vermittelt der Öffentlichkeit das Konzept einer diversifizierten Analyse und gewährleistet eine solide Entscheidungsfindung auf der Basis verschiedener analytischer Perspektiven.“ 
Und so wird denn auch im jüngsten Monatsbericht der EZB wieder besonderer Wert auf die Beschreibung der aktuellen diesbezüglichen Zusammenhänge gelegt:
„Die Jahreswachstumsrate der Geldmenge M3 sank im November merklich auf 2,0 %, verglichen mit 2,6 % im Oktober ... Einerseits lässt sich dieses moderatere Wachstum zu drei Vierteln mit einem Basiseffekt im Zusammenhang mit umfangreichen Interbankengeschäften erklären, die im November 2010 über zentrale Kontrahenten abgewickelt wurden. Andererseits war die monatliche Veränderungsrate im Berichtsmonat leicht negativ (-0,15 %).“ 
In der Tat zeigen die neuesten verfügbaren Daten der EZB, dass sich die M3-Wachstums-Rate weiter (auf Jahresbasis) um 1,6 Prozent im Dezember 2011 verringert hat

Was ist M3 und welche Aussagekraft hat diese Größe tatsächlich bezüglich des gegenwärtigen Zustandes der  Eurozone? Die Bundesbank definiert die Geldmenge wie folgt:
„Als Geldmenge bezeichnet man den volkswirtschaftlichen Bestand an Geld in den Händen von Nichtbanken. Wegen der Unschärfe des Geldbegriffs gibt es verschiedene definitorische Abgrenzungen von Geldmengen. Das Eurosystem unterscheidet drei Geldmengen: M1 (Sichtguthaben + Bargeld), M2 (M1 + kurzfristige Termin- und Spareinlagen) und M3 (M2 + kurzfristige Bankschuldverschreibungen + Geldmarktfondsanteile + Repogeschäfte).“ Siehe dazu auch die Definition der EZB.
Ein zentraler Lehrsatz der Mainstream-Ökonomen besagt nun, dass ausgehend vom Konzept des sog. Geldschöpfungsmultiplikators die Zentralbank die Geldschöpfung kontrolliert. Selbst wenn es in allen gängigen makroökonomischen Lehrbüchern steht und den arglosen Wirtschaftsstudenten immer wieder gnadenlos eingehämmert wird – weder der Geldschöpfungsmultiplikator, noch das Konzept einer von der Zentralbank kontrollierten Geldschöpfung entspricht der Realität! Denn:

Getretener Quark wird breit, nicht stark.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...