Mittwoch, 14. März 2012

Tor des Monats

Die öffentliche Debatte um das Thema Schulden schwankt mittlerweile zwischen Scheinheiligkeit und Wahnsinn. 

Unser Finanzminister proklamiert unentwegt, dass Defizitfinanzierung der falsche Weg sei, um das Wirtschaftswachstum zu stärken und dass alle jene nichts aus den Erfahrungen der Krise gelernt hätten, die Wachstum ohne Haushaltskonsolidierung generieren wollten. Nicht zuletzt für derartige Äußerungen möchte der SPIEGEL Herrn Schäuble dann auch am liebsten  gleich den Titel eines „Sparpioniers“ (was immer das sein mag) umhängen, selbst wenn die aktuellen Daten belegen, dass die Vorbildfunktion Deutschlands als Oberspar-Zuchtmeister in Europa reichlich scheinheilig daher kommt. 

So wurden im vergangenen Jahr hierzulande gerade einmal 42% der im Jahr 2010 von der Bundesregierung selbst geplanten Sparmaßnahmen umgesetzt (4,7 anstatt 11,2 Mrd. €). Es muss die Frage erlaubt sein, in welchem Maße diese Tatsache nicht sogar dazu beigetragen hat, die deutsche Wirtschaft vor dem Schicksal der durch die undifferenzierten Troika-Sparmaßnahmen ruinierten griechischen Ökonomie zu bewahren. Im Ausland werden deswegen nicht ganz grundlos Stimmen laut, die von einer Kombination aus atemberaubender Heuchelei und manifestierter Arroganz sprechen, wenn man hierzulande unterstellen würde, die Welt sei so dumm zu glauben, dass Austerität zu Wachstum führe.

Dienstag, 6. März 2012

Einfach zu logisch

Die Politik befindet sich seit geraumer Zeit in einem wachsenden Konflikt: Um die aktuelle Schuldenproblematik in Deutschland und in Europa nachhaltig zu lösen, müssten die Verantwortlichen nicht nur die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge verstehen, sondern diese dann auch noch gegenüber der größtenteils einzelwirtschaftlich denkenden Wählerschaft überzeugend darstellen. Da offenbar schon das erforderliche Know-how fehlt, hat man sich konsequenterweise entschlossen, den Versuch einer sinnvollen Deutung völlig zu vergessen.

Stattdessen lässt man sich leiten vom populistischen Denken, das ja dem Laien aus eigener Erfahrung auch viel eher zugänglich ist: Zum einen werden weite Teile der Bevölkerung an(fehl)geleitet durch die Berichterstattung in den politik-konformen Massenmedien. Zum anderen nehmen Unternehmer und Manager, deren Verständnis von Wirtschaft vornehmlich durch einzelwirtschaftliche Erfahrungen geprägt ist, mehr und mehr für sich heraus, sachverständiger als andere in volkswirtschaftlichen Fragen zu sein. Sie treffen dabei selten auf nennenswerten Widerstand, weil sie aufgrund ihrer finanziellen Mittel und ihrer Herrschaft über die Arbeitsplätze letzten Endes ja auch die politische Macht besitzen.

Insbesondere in Deutschland ist zudem eine angepasste Mehrheit der Volkswirte ohne Blick auf den Horizont versunken beim Bohren kleiner tiefer Löcher und hat damit ihren wissenschaftlichen Anspruch gegen die lukrative Aussicht auf Geltung und Einfluss in unserer Gesellschaft eingetauscht. Man hat sich im Entwickeln mathematisch fundierter makroökonomischer Modelle übertroffen und dabei die Realität aus den Augen verloren. Das konnte auch deshalb nicht gutgehen, weil man die Grundrechenarten nicht beherrschte. Dass nämlich der Verkauf des einen der Kauf des anderen ist, dass die Summe der Ausgaben einer Periode stets gleich der Summe der Einnahmen einer Periode sein muss und ähnliches mehr – sozusagen die ökonomische Anwendung des Satzes 2+2=4.

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