Dienstag, 24. April 2012

ESM - ist der Irrsinn noch zu stoppen?


Der ESM-Vertrag ist das Ergebnis und der vorläufige Höhepunkt erfolgreicher Lobbyarbeit der Finanzbranche. In diesem Projekt war die Rettung von privaten Geldinstituten auf Staatskosten und deren Darstellung als relevant für unser Geldsystem offensichtlich nur der Einstieg. Den konsequent propagierten Anschein der Alternativlosigkeit mit einem Vertragswerk der EU politisch und rechtlich in einem geschlossenen Währungsraum zu manifestieren, setzt dem Ganzen jetzt aber die Krone auf.

Diese unfassbare Ermächtigung des massiven Eingriffs in die Grundrechte einer ganzen Staatengemeinschaft durch eine elitäre Minderheit von Wirtschaftsführern konnte nur so weit vorangetrieben werden, weil die politisch Verantwortlichen die breite Masse seit etlichen Jahren in einen Nebel aus Desinformation und Ablenkung hüllen. Daran haben die Mainstream-Medien ebenso ihren nicht unerheblichen Anteil wie jene Ökonomen, die oft wider besseres Wissen ihre von Eigennutz geleiteten wissenschaftlichen Ergüsse als gesamtwirtschaftlich sinnvoll verkaufen. Die Realität an der südlichen Peripherie der EU zeigt ein erschreckend anderes Bild: anstatt ökonomische Dynamik zu säen, erntet man zunehmend soziales Dynamit. 

Getragen von einer Vielzahl von hörigen, ahnungslosen und ignoranten Parlamentariern treibt der ESM die Defunktionalisierung der Mitgliedsstaaten auf die Spitze und übt damit Verrat an Europas welthistorischem und –politischem Vermächtnis, nämlich an der Erfindung und Verbreitung der sozialen Demokratie. Parteien und Parlamente sind derart von Volks- zu Interessenvertretungen degeneriert, dass sie sowohl fachlich als auch moralisch restlos überfordert sind, wenn es um die Bewältigung dieser neuartigen ökonomischen Herausforderungen geht. Sie müssten aufgrund von Einsichten handeln, die sie nicht haben und Maßnahmen gegen die beschließen, von denen sie abhängig sind und die inzwischen über unser aller Zukunft entscheiden.

Mittwoch, 18. April 2012

Cui bono?


Wem zum Vorteil - soll denn eine solche Ratingagentur sein? Ob nun unternehmerisch oder als Non-Profit-Organisation, Nutznießer werden allein die Player auf den Finanzmärkten sein.


Was wird dadurch besser für die Menschen? NICHTS! Denn es manifestiert lediglich ein Symptom unseres unsozialen Geldsystems. An den Ursachen für Instabilität und Ungerechtigkeit ändert sich nichts, solange das Geldsystem selbst als unabänderliches Naturgesetz gesehen wird.

Weltweit geraten immer mehr Staatshaushalte an den Rand der Überschuldung. Wer hätte das gedacht, in einem Geldsystem, in dem mathematisch bedingt Geldmengen und damit einhergehend, der volkswirtschaftlichen Logik folgend, Schuldenstände exponentiell steigen müssen? Und wer hätte denn wissen können, dass dies ungerecht ist; dass es sich bei einem solchen Geldsystem eben auch um ein Enteignungssystem von Arbeitskraft und physischen Werten handelt? 

Um das zu erkennen, braucht es keine neue Ratingagentur. Die vorhandenen Ratingagenturen sind nicht schuld daran, dass die politisch Verantwortlichen bei ihren Entscheidungen schlicht die Fakten leugnen, wenn sie ihren Wunschvorstellungen widersprechen.

Sehr viel nützlicher wäre z.B. eine „ethische“ Ratingagentur. http://tinyurl.com/6mvty8p

Welche Stiftung setzt sich denn mal für solche oder ähnliche Vorschläge ein und gründet dafür eine, möglicherweise staatlich geförderte Non-Profit-Organisation?

Mein Kommentar in "ZEIT online" zum Artikel "Bertelsmann-Stiftung legt Konzept für Rating-Agentur vor" vom 17.04.2012  


Donnerstag, 12. April 2012

Schuldenkrise?


Es ist keine "Schuldenkrise", auch wenn es die Medien noch so oft schreiben. Bestenfalls ist es eine Bankenkrise. Deshalb auch die milliardenschweren Rettungsaktionen, die den verschuldeten Ländern nicht helfen.

Eigentlich ist es aber eine VERMÖGENSKRISE, denn die Schulden der (vielen) einen sind die Vermögen der (wenigen) anderen.

Das hohe Lied vom Sparen entbehrt deshalb jeglicher volkswirtschaftlichen Logik. Es ist nämlich eine Tatsache, dass Menschen nur sparen können, wenn andere sich verschulden. Ein Einzelner kann nur dann mehr ausgeben als einnehmen, sich also verschulden, wenn es einen anderen gibt, der weniger ausgibt als er einnimmt, der also spart, weil das Einkommen der Volkswirtschaft nur einmal konsumiert werden kann. Wer diese Logik verstanden hat, für den stellt Verschuldung schlagartig keine Bedrohung mehr dar.

Es macht also keinen Sinn, jeden Tag über die Verschuldung herzuziehen, wenn man selbst genau dazu über sein (Geld-)Sparen beiträgt.

Mein Kommentar in "ZEIT online" zum Artikel "Portugals täuschend guter Eindruck" vom 11.04.2012 


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