Donnerstag, 17. Mai 2012

Griechen, schaut auf die Wikinger!

Der griechische Karikaturist Dimitris Hantzopoulos hat kürzlich die dramatische Lage seines Landes in einer seiner Arbeiten in krasser Form dargestellt:

The title of the graphic – ΤΗΣ ΗΜΕΡΑΣ means The Day.

Dabei hätte eine aktuelle Verlautbarung der griechischen Behörden auch so oder ähnlich klingen können:
„In 2011 erreichte das Wirtschaftswachstum 3,1% und das sowohl aufgrund des steigenden privaten Konsums als auch der Investitionen. Die Prognose für 2012-2017 geht davon aus, dass sich die allmähliche wirtschaftliche Erholung mit 2,6% Wachstum im Jahr 2012 fortsetzen wird. Eine positive Entwicklung wird für den gesamten Prognosezeitraum erwartet, obwohl Änderungen im großen Maßstab an den geplanten Investitionen der Industrie die Prognose noch beeinflussen können. Das Wirtschaftswachstum wird durch Investitionen und Konsum getrieben werden.“
Diese stammt aber nicht aus Griechenland, sondern aus Island vom dortigen statistischen Amt (per 30. März 2012) und kennzeichnet die nachhaltige wirtschaftliche Erholung dort. 

Island?
Ist das nicht diese dünn besiedelte Insel ganz im Nordwesten Europas, auf der es mal private Banken gab, deren Bilanzsummen das Bruttoinlandsprodukt des Staates um ein vielfaches übertrafen? Richtig. Und einige Zeit hatten diese Banken einen beachtlichen Erfolg, weil sie hochverszinste Tagesgeldkonten in ganz Europa anboten – vor allem auch in Großbritannien und den Niederlanden. Dann kam die Finanzkrise und die schöne Welt der Isländer brach jäh zusammen. 

Das Land war das erste, das infolge der Finanzkrise in die Knie ging. Der Staatsbankrott konnte nur dank eines Rettungsprogramms des Internationalen Währungsfonds (IWF) abgewendet werden. Inzwischen ist die Wikingernation wieder auf dem besten Weg die Krise hinter sich zu lassen und gilt dabei als Musterschüler. Auch an den internationalen Bondmarkt ist das Land zurückgekehrt - und zahlt trotz eines nach wie vor schlechten Ratings (Upgrade durch die Ratingagentur Fitch im Februar 2012 auf BBB-) Zinsen, von denen die europäischen Krisenstaaten nur träumen können. 

Dienstag, 8. Mai 2012

Bildungsreform statt Schuldenbremse

Die irrige Vorstellung, dass die Welt durch Geldsparen reicher wird, beruht auf der fälschlichen Anwendung der einzelwirtschaftlichen Betrachtung auf gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge. Das mag zwar politisch gewünscht und kurzfristig auch erfolgreich sein, weil es der schwäbischen Hausfrau (also dem gemeinen Wähler) einleuchtet. Ökonomisch ist es wider alle anders lautenden Bekundungen unlogisch und führt mittelfristig in eine deflationäre Depression.

Wenn ich in meinem privaten (oder unternehmerischen) Haushalt meine Ausgaben verringere, dann erziele ich einen Einnahmeüberschuss, d.h. mein Geldvermögen wächst. In der gesamten Volkswirtschaft hingegen führt ein Ausgaberückgang eines Wirtschaftssubjekts stets zu einem Einnahmerückgang eines Anderen. Das Geldvermögen ist dort immer konstant und beträgt 0 (NULL), weil der Einnahmeüberschuss des Einen der Ausgabeüberschuss (Verschuldung) des Anderen ist. Zu logisch? 



Statt also zu erkennen, dass die Staatshaushalte durch privates Geldsparen überschulden (Staatsschuldenwachstum = Wachstum der privaten Geldvermögen abzgl. Exportüberschüsse), wird nun die Schuldenbremse für den Staat gesetzlich verordnet: Staatsschuldenwachstum bei max. 0,5 % des BIP bedeutet: Die privaten Pläne zur Geldvermögensbildung müssten auf 0,5 % des BIP begrenzt werden. Laut Bundesbankzahlen liegen die Geldsparpläne in Deutschland aktuell fast beim 20-fachen! Das wird spannend!
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