Dienstag, 10. Juli 2012

Bewerbung als Finanzberater


Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,

heute erneuere ich an Sie mein Angebot der kostenlosen Dienstleistung als Finanzberater. Leider hat sich seit meiner ersten, vergeblichen Bewerbung vor 15 Monaten die wirtschaftliche Situation für die meisten Menschen in Europa eher noch verschlechtert. Selbst in Deutschland kann von wachsendem Wohlstand nicht die Rede sein. Dabei bin ich mir sicher, dass Sie sich darum bemühen, Ihrem Amtseid gerecht zu werden, selbst wenn inzwischen aus den Problemen, die Sie damals mit der Bankenrettung hatten, nun solche mit der Rettung eines ganzen Währungssystems geworden sind. Hätten Sie damals mal besser über meinen Lösungshinweis nachgedacht.

Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt“ beschreibt nun allerdings ein Analyseergebnis, dass Sie, mit Verlaub gesagt, besser ganz schnell wieder vergessen sollten in einem Land, das seit 10 Jahren ununterbrochen Leistungsbilanzüberschüsse erwirtschaftet, also mehr produziert als es verbraucht. Es kann natürlich sein, dass Sie mit „wir“ nur sich selbst und Ihren Ehemann gemeint haben. Ich vermag nicht zu beurteilen, wie sehr sich Ihre persönliche Verschuldung im Hinblick auf Ihr jetziges und zukünftiges Einkommen auf Ihre „Verhältnisse“ auswirkt. Sparsamkeit kann da sicherlich zur Entspannung der privaten finanziellen Situation beitragen.

Was mikroökonomisch sinnvoll erscheint, lässt sich aber nicht ohne weiteres auf eine Volkswirtschaft als Ganzes übertragen. Deshalb sollte Ihr neues Credo von nun an besser lauten: 

„Eine Volkswirtschaft kann nicht sparen.“

Weil, wenn einer spart, es mindestens einen anderen geben muss, der sich in gleicher Höhe verschuldet. Und umgekehrt. So einfach ist dort die Logik - haben Sie als promovierte Naturwissenschaftlerin die finanzpolitischen Empfehlungen Ihrer Mitarbeiter und Berater denn bisher nie darauf hin überprüft?

Lösen Sie sich nun von Ihren Gewohnheiten, treffen Sie auf der Grundlage der neu gewonnenen Einsicht die logisch-konsequenten Entscheidungen und geben Sie dem fairen Diskurs (das Gegenteil erleben wir leider gerade mal wieder beim Ökonomenstreit) einer offenen Gesellschaft eine Chance zur dynamischen Weiterentwicklung.
  • Vorteile für Sie und Ihre Organisation: Sie müssen die Weltwirtschaft nicht länger in die Zukunft wurschteln und sich dabei immer wieder von Krisen überraschen lassen. Das freut die Wirtschaft und die Konsumenten gleichermaßen.
  • Vorteile für den Steuerzahler: Er muss nicht mehr die finanziellen und wirtschaftlichen Folgen dieser Krisen schultern, für die er nichts kann. Gerechtigkeit schafft Vertrauen.
  • Vorteile für Europa: Man braucht keinen ESM und keinen Fiskalpakt und kann sich wieder der Verbreitung der sozialen Demokratie widmen und das allgemeine Wohlstandsniveau steigern. Die Politik schafft den finanziellen Rahmen und die Menschen bauen sich darin ihr Europa.
  • Vorteile für die Umwelt: Eine ökologische Qualifizierung des Wachstums wird möglich, am ehesten durch eine Reform der Geldordnung. Schluss mit der angeordneten Alternativlosigkeit – eine fortschrittliche Gesellschaft wächst mit der freien Wahl ihrer Möglichkeiten.

Mit freundlichen Grüßen


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