Montag, 12. November 2012

Die Rechnung bitte - der Exportboom möchte gehen

Verfügt ein Land, das mit anderen im Wettbewerb steht, über eine eigene Währung, so wir diese über kurz oder lang die Lohnstückkosten, also das Verhältnis der Löhne zur Produktivität, widerspiegeln. Jedes systematische Zurückbleiben/-halten der Löhne hinter der Produktivität führt also in einem solchen Fall zwangsläufig zur Aufwertung der Währung. Damit stellt sich der ursprüngliche Zustand im Verhältnis der Wettbewerbsfähigkeit der Länder automatisch wieder ein.

In einer Währungsgemeinschaft wie der Eurozone allerdings ist dies nicht so. Hier kann es geschehen, dass ein Land durch bewusste Lohndrückerei für eine etwas längere Zeit mit dieser Politik erfolgreich ist. So stieg in Deutschland im Zeitraum von 1999 bis 2011 die Produktivität um jährlich 1,2 % (was noch nicht einmal im europäischen Vergleich ein besonders guter Wert ist), die Löhne stiegen jedoch im selben Zeitraum lediglich um 0,7 %. Das Ergebnis war ein Wettbewerbsvorsprung, der schließlich dazu führte, dass bei uns produzierte Waren und Dienstleistungen zum Teil zwischen 20 % (zu Frankreich) und 25 % (zu Südeuropa) billiger wurden als vergleichbare Produkte jener Länder. Deutsche Begründung: „Wir müssen den Gürtel enger schnallen“, denn „wir leben über unsere Verhältnisse“. 

Es ist wohl unvermeidbar, dass es immer Länder gibt, die über ihren Verhältnissen leben, während andere permanent dahinter zurückbleiben. Also sollte doch derjenige bitte schön, der weniger verbraucht, als er produziert (also wie Deutschland unter seinen Verhältnissen lebt), tunlichst demjenigen, der mehr verbraucht, temporär die Verfügungsrechte über sein ersparten Ressourcen einräumen. Denn sonst kann die Rechnung gar nicht aufgehen. Der eine gibt folglich einen Kredit in der Hoffnung, dass der andere in Zukunft in der Lage sein möge, diesen auch zurückzuzahlen (= Überschüsse zu erwirtschaften). 

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