Dienstag, 26. November 2013

Das Ende der Nationalökonomie

Georg T's Blog. Sapere Aude!: Sehenden Auges:

"Die Vorstellung von nationalen Ökonomien oder gar Wohlfahrtökonomien ist überholt. Seitdem Kapital frei beweglich ist und ohne jede Einschränkung Landesgrenzen queren kann, muss national orientiertes Denken in die Irre führen. Der Aufstieg multinationaler Großkonzerne hat sein übriges dazu getan. Selbst der amerikanische Staat sieht sich nicht mehr in der Lage von diesen Giganten und ihren Eigentümern die dringend benötigten Steuern einzutreiben. Überall unterwirft das Kapital das Gemeinwesen und macht es sich in seinem Sinne zu nutze.

Dies ist die eigentliche Essenz des Begriffs Globalisierung.

Nationale Korrektive wie z.B. eine Senkung der allgemeinen Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich werden damit unmöglich. Nationale Wirtschaftspolitik beschränkt sich dann nur noch darauf, die Betroffenen ruhig zu stellen und so sukzessive ihre Anpassung an die aufziehenden neofeudalen Verhältnisse zu betreiben."

Vom Mythos der Machtbalance

Donnerstag, 21. November 2013

Nichts dazu gelernt

Die ökonomische Debatte um die deutschen Exportüberschüsse ist nicht neu. Neu ist die polemische Schärfe, durch die sich etliche der zahlenmäßig deutlich überwiegenden Pro-Kommentare in den deutschen Medien auszeichnen. Das lässt vermuten, dass den Systemtreuen allmählich die sachlichen Argumente fehlen. Darüber sollte sich niemand wundern. Zumal bereits 2004 ein gewisser Johann Eekhoff, schon zu Lebzeiten einer der prominentesten Ordnungspolitiker in Deutschland und als Botschafter der INSM keinesfalls im Verdacht stehend, ein Linker zu sein, im Handelsblatt den wirtschaftspolitischen Rahmen für Leistungsbilanzüberschüsse abgesteckt hat. Zitate auszugsweise:
„Es gibt kein originäres Interesse daran, einen Exportüberschuss zu erzielen, weil das ja bedeuten würde, dass auf den Gegenwert oder wenigstens auf den Gegenwert für einen Teil der exportierten Güter verzichtet würde.

Dem Ausland zunächst einen Teil der Güter zu überlassen lohnt sich nur, wenn in Zukunft (mehr) Güter zurückfließen, wenn also später Importüberschüsse entstehen.


Ein Exportüberschuss ist wie eine normale Kapitalanlage zu betrachten. Er lohnt sich nur, wenn die künftigen Konsummöglichkeiten eines Landes erhöht werden, wenn also mit dem gegenwärtigen Exportüberschuss ein wertmäßig höherer künftiger Importüberschuss erzielt wird.

Zu relativieren ist auch die Vorstellung, Exportüberschüsse seien ein zuverlässiger Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit des Inlands als Standort für die Produktion international handelbarer Güter und Dienstleistungen. Das Gegenteil kann der Fall sein.

Eine Aufwertung des Euros kann sich ergeben, wenn in anderen Ländern die Vorliebe für Produkte aus dem Euro-Raum zunimmt. Das ist eine begrüßenswerte Ursache für eine Aufwertung. Wichtiger für eine Aufwertung sind aber Unterschiede in der erwarteten Geldwertstabilität.

Deshalb sollte sich niemand an das schöne Bild des Exportweltmeisters klammern, sondern beharrlich dafür eintreten, die Produktions- und Beschäftigungsbedingungen im eigenen Land zu verbessern, um mobiles Risikokapital anzuziehen.“



Unabhängig von der Frage, „Cui bono? – Wem zum Vorteil?“, erinnert das unqualifizierte Gezeter gegenüber dem Ausland verdammt an Kaiser Wilhelm II. Der fühlte sich in einer merkwürdigen Mischung aus nationaler Kraftmeierei, Minderwertigkeitskomplexen und beleidigter Miene bekanntlich so lange von seinen außenpolitischen Feinden umstellt, bis sie sich tatsächlich alle gegen ihn verbündet hatten. Wo das endete, wissen wir.



Mittwoch, 6. November 2013

Die Welt fährt BMW - ohne Gegenleistung!





Um es gleich vorweg zu nehmen: Im verlinkten Beitrag steht nicht, dass Deutschland allein verantwortlich ist für die missliche Lage, in der sich die Euro-Zone derzeit befindet. Es wird aber sehr anschaulich dargestellt, warum vor allem die deutsche Wirtschaft bislang weitgehend unbehelligt durch die Euro-Krise gekommen ist. Nämlich deswegen, weil sich die politisch Verantwortlichen hierzulande seit Beginn der Währungsunion nicht an die vereinbarten Regeln gehalten haben und sie daran niemand von den Verantwortlichen in den zuständigen europäischen Behörden gehindert hat.



"Eine Währungs-Union ist ein Werkzeug, das verschiedene Nationen in einem Binnen-Wirtschaftsraum miteinander Handel treiben lässt, ohne dass dauernd Störungen und Ungleichgewichte entstehen und eben diesen Handel, massiv behindern. Der Euro ist ein Versuch, dieser Anforderung eines Binnenmarktes gerecht zu werden und Stabilität zu schaffen. Dass es in der Zwischenzeit so aussieht, als sei alles schiefgelaufen, ist in Wirklichkeit jedoch nicht die Schuld des Euros, wie manche Stammtisch-Plauderer uns Weiß machen wollen, sondern die Währungs-Union wurde einfach lausig gemanagt."



Die Tatsache, dass Deutschland seit Jahrzehnten Waren und Dienstleistungen von größerem Wert exportiert als es einführt, bedeutet nichts anderes, als dass es seinen Handelspartnern sozusagen permanent sein eigenes Defizit aufs Auge drückt.



"Deutschland ist zum billigen Krämer in Europa geworden. Es verschleudert seine Produkte, weil es die Löhne nicht erhöht hat…Eine Währungsunion macht man so, und dies ist die Hauptregel neben anderem ziemlich Unwichtigem, dass sich jeder an seine eigenen nationalen Verhältnisse anpasst, und dies ist die Produktivität. Um das Punktziel 1,9 Prozent Inflation zu erreichen, müssen also die Löhne / Lohnstückkosten immer gemeinsam mit der Produktivität steigen, bzw. um 2 Prozent darüber liegen. Was nun die jeweiligen Staaten mit der eigenen Produktivität anfangen ist für die Währungs-Union völlig egal…dass die Löhne / Lohnstückkosten, 2 Prozent über der Produktivität liegen, jedoch absolut unverzichtbar."
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