Regionalgeld

Was sind Komplementärwährungen?

Jeder kennt Währungen wie Euros, Dollars oder Yen. Es gibt aber viel mehr Möglichkeiten, Güter und Leistungen auszutauschen, z.B. mit Regionalwährungen, Arbeitszeit-Konten und Bonus- oder Barter-Systemen. Komplementäre Währungen sind eine Vereinbarung einer Gemeinschaft, andere Tauschmittel zu akzeptieren als das allgemeingültige Geld. Diese neuen Tauschsysteme ersetzen die offizielle Währung nicht, sondern ergänzen sie. Deshalb heißen sie Komplementärwährungen.

Quelle: MonNetA (Money Network Alliance)


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Die fortlaufende Finanzkrise ist nicht das Ergebnis eines zyklisch auftretenden oder betriebswirtschaftlichen Versagens, sondern strukturell bedingt. Diese Aussage wird unter anderem dadurch belegt, dass es im Laufe der vergangenen 20 Jahre bereits mehr als 96 bedeutende Bankenkrisen gegeben hat und dass solche Pleiten auch in verschiedenen Kontrollsystemen und Stadien der wirtschaftlichen Entwicklung passiert sind. Wir müssen dringend bessere Lösungen finden, denn als wir dem letzten Zusammenbruch dieses Ausmaßes gegenüber standen - der Weltwirtschaftskrise der 1930-er Jahre - führte dies zu einer Welle des Faschismus und zum zweiten Weltkrieg. Doch die bisher angewendeten üblichen Lösungen – Verstaatlichung der Problem-Aktiva (wie im ursprünglichen Paulson-Rettungsplan) oder Verstaatlichung der Banken (wie in Europa) – behandeln nur die Symptome, nicht die grundlegende Ursache der derzeitigen Bankenkrise. Auch wird die Neuregulierung des Finanzsektors, die alle auf ihrer politischen Agenda haben, im besten Fall die Häufigkeit solcher Krisen reduzieren, nicht aber ihr erneutes Auftreten verhindern.

Die gute Nachricht: Es stehen nun eine systemische Betrachtungsweise und eine fachgerechte Lösung zur Verfügung, die aus solchen Pleiten ein Phänomen der Vergangenheit machen würde. Durch einen kürzlich erfolgten wissenschaftlichen Durchbruch, der das Konzept ausbalancierter, strukturell intakter und gut funktionierender Ökosystemen erklärt, lässt sich nun belegen, dass alle komplexen Systeme – einschließlich der monetären und finanziellen – strukturell instabil werden, sobald die Produktivität überbetont wird auf Kosten von Vielfalt und Vernetzung sowie der entscheidenden Widerstandsfähigkeit, die diese bieten. Das überraschend Grundlegende und Anwendbare dieser Erkenntnis liegt darin, dass es zu nachhaltigem Wohlstand gehört, Vielfalt auch in unsere Währungen und dazugehörigen Institutionen zu bringen, und damit die Verfügbarkeit von Geld in seiner wesentlichen Funktion als Tauschmittel zu erhöhen, statt als Mittel zum Sparen und für Spekulation. Zudem sind diese Währungen speziell so gestaltet, dass sie andernfalls ungenutzte Ressourcen mit unbefriedigten Bedürfnissen innerhalb einer Gemeinschaft, einer Region oder eines Landes verbinden. Diese Währungen werden als „ergänzend“ (= komplementär) bezeichnet, weil sie das national gebräuchliche Geld nicht ersetzen, sondern vielmehr parallel dazu benutzt werden.

Der effektivste Weg für Regierungen, eine solche Strategie vielfältiger und nachhaltiger finanzieller Ökologie zu unterstützen, besteht darin, sorgfältig ausgewählte, solide Komplementärwährungen - während des Zeitraums, in welchem die Banken die reale Wirtschaft nicht mehr voll finanzieren können - als Zahlungsmittel für einen Teil der Steuern zu akzeptieren. Die Entscheidung darüber, welche Komplementärwährung akzeptiert werden sollte, hat sowohl eine fachliche Seite (Robustheit und Widerstandsfähigkeit gegen Fälschung) als auch eine politische (welche Aktivitäten werden als unterstützenswert angesehen). Wir empfehlen als besten Anwärter für diese Rolle eine professionell geführte Business-to-Business (B2B) Komplementärwährung nach dem Model des WIR-Systems, das seit 75 Jahren erfolgreich in der Schweiz praktiziert wird und ein Viertel der Betriebe des Landes einbindet. Dieses System wurde in einer amerikanischen ökonometrischen Analyse als wesentlicher antizyklischer und stabilisierender Faktor für die sprichwörtliche Stabilität der Schweizer Wirtschaft gewürdigt.

Quelle: Zusammenfassung aus "Wege zur Bewältigung systemischer Bankenkrisen"
von Bernard A. Lietaer mit Dr. Robert Ulanowicz & Dr. Sally Goerner, 01.12.2008



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Was ist Regiogeld?
Regiogeld ergänzt den Euro um ein regionales Zahlungsmittel - meist in Form von Gutscheinen - und dient dem Gemeinwohl.
  • Es bindet die Kaufkraft an die Regionen, fördert die regionalen Unternehmen und stimuliert regionale Wirtschaftskreisläufe.
  • Es erweitert die unternehmerischen Handlungs- möglichkeiten um einen regionalen Markt und ist als Werkzeug zur Regionalentwicklung einsetzbar.
  • Es hilft, regionale Produkte abzusetzen, neue Umsätze zu ermöglichen und Arbeitsplätze zu schaffen.
  • Regionales Wirtschaften verkürzt die Transportwege und schont die Umwelt.

Wie funktioniert ein Regio?
Alle unsere Regios funktionieren ein bisschen anders, weshalb eine allgemeingültige Beschreibung schwierg ist. Im Folgenden eine Kurzbeschreibung von vier sehr unterschiedlichen Initiativen, die die Vielfalt von Regios deutlich machen:
  • Der Chiemgauer: Ein eurogedeckter Regio, der seit 2003 existiert.
  • Die Havelblüte: Ein leistungsgedeckter Regio, der im Juni 2006 gestartet ist
  • Der Urstromtaler: Ein leistungsgedeckter Regio, der seit Oktober 2004 existiert und Euro-Eintausch ermöglicht.
  • Der Sterntaler: Ein eurogedeckter Regio, der seit April 2004 existiert und einen leistungsgedeckten Tauschring einbindet.


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